Hamm. Mit einem Versorgungsgrad von 111 Prozent ist Hamm bei den Hausärzten immer noch gut aufgestellt. Doch diese komfortable Situation wird sich schon in wenigen Jahren ändern: Weil jeder dritte Hausarzt in Hamm älter als 60 Jahre ist, werden auch in Hamm die Hausärzte knapp. Aktuell suchen in Hamm bereits 12 Arztpraxen einen Nachfolger. Wie die medizinische Versorgung in Zukunft gewährleistet werden kann, diskutierte der Gesundheitspolitische Arbeitskreis (GPA) der CDU Hamm deshalb jetzt mit Experten. Mehr als 50 Teilnehmer, darunter viele Fachleute aus der Gesundheitswirtschaft, konnte GPA-Kreisvorsitzende Oskar Burkert dazu in der Gaststätte Alte Mark begrüßen.

„Unser Gesundheitssystem steht am Rande des Kollaps.“ Mit drastischen Worten schilderte Dr. Theodor Windhorst die aktuelle Versorgungssituation. Der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe war sich mit dem zweiten Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, Dr. Gerhard Nordmann einig: „Es wurden in der Vergangenheit zu wenig Ärzte ausgebildet.“

Zwar sei die hausärztliche Versorgung in Hamm derzeit gewährleistet, doch eine Unterversorgung drohe auch hier. So reiche es heute nicht mehr aus, ausscheidende Ärzte 1:1 zu ersetzen. „Junge Ärzte haben heute andere Vorstellungen: Sie drängt es nicht mehr in die Freiberuflichkeit, vielmehr bevorzugen sie ein Angestelltenverhältnis mit geregelten Arbeitszeiten, sodass Familie und Beruf besser zu vereinbaren sei“, so Nordmann. Hinzu komme, dass die knappen Studienplätze wegen der besseren Abiturnoten oft an Frauen vergeben würden, die nach der Geburt ihres Kindes häufig nur in Teilzeit arbeiteten. „Ohne die Unterstützung durch ausländische Ärzte wäre die Medizin in Westfalen-Lippe am Ende“, fasste der Ärztekammerpräsident die Situation zusammen. Dabei gebe es genügend junge Menschen in Deutschland, die gern Medizin studieren würden, aber eben keinen Studienplatz bekämen. Außerdem sei das Anwerben ausländischer Fachkräfte auch moralisch zu hinterfragen, weil Ärzte dann im Ausland fehlen würden.

Auch Privatdozent Dr. Jan Börgel forderte, dass die Universitäten mehr Ärzte ausbilden müssen. Der Chefarzt für Innere Medizin an der St. Barbara-Klinik Heessen betonte zugleich, dass sein Haus mit Fachkräften aus Migrationsländern extrem gute Erfahrungen gemacht habe. Diese seien hochmotiviert und verdienten jede Unterstützung bei deren Integrationsbemühungen.

„Wir werden nicht alle Arztpraxen, die aus Altersgründen frei werden, wiederbesetzen können“, glaubt Dr. Matthias Bohle. Dabei weiß der Vorsitzende des Ärzteverein Hamm aus eigener Erfahrung, dass die freiberufliche Tätigkeit als niedergelassener Arzt auch heute noch attraktiv sein kann. Neben einer soliden Ausbildung und Vorbereitung habe auch bei ihm die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine wichtige Rolle bei seiner Entscheidung für die Selbstständigkeit gespielt.

Nordmann empfahl, das Beratungsangebot der kassenärztlichen Vereinigung bei der Nachfolgesuche für die Praxisübergabe zu nutzen. „Noch nie waren die Möglichkeiten zur Niederlassung so vielfältig wie heute“, sagte der Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung.

Mit der Einrichtung von Notdiensten und der Aufhebung der Residenzpflicht seien bereits wichtige Maßnahmen zur Entlastung der Hausärzte getroffen worden. Auch die Entscheidungen der NRW-Koalition für eine medizinische Fakultät Ostwestfalen-Lippe in Bielefeld mit dem Schwerpunkt Allgemeinmedizin und für die aktive Unterstützung der Universität Witten/Herdecke im Bereich der Ärzteausbildung tragen dazu bei, die hausärztliche Versorgung zu stabilisieren, betonte der Ärztekammerpräsident.

Zustimmung bei den Experten fand der Vorschlag eines Hausarztes aus Hamm, der die Kooperation zwischen hiesigen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten anregte. „Wir finden auf dem Markt kaum noch Weiterbildungsassistenten. Umgekehrt können die Krankenhausärzte von uns die praktische Arbeit der Hausärzte kennenlernen“.

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